Die Vernetzung von Siemens LOGO! Kleinsteuerungen ist ein Thema, das in der modernen Automatisierungstechnik immer mehr an Bedeutung gewinnt. Was einst als einfache, isolierte Steuerung für kleinere Aufgaben konzipiert war, hat sich mit den Jahren zu einem flexiblen und leistungsfähigen System entwickelt, das nahtlos in komplexere Netzwerke integriert werden kann. Für Techniker, Ingenieure und Automatisierungs-Enthusiasten ist das Verständnis dieser Vernetzungsmöglichkeiten entscheidend, um das volle Potenzial ihrer Systeme auszuschöpfen, Prozesse zu optimieren und auftretende Probleme effizient zu lösen. Ich habe in meiner Praxis immer wieder erlebt, wie eine gut geplante und konfigurierte Netzwerkverbindung die Effizienz und Flexibilität einer Anlage drastisch verbessern kann.
Effiziente Kommunikation für Ihre LOGO! So vernetzen Sie Siemens Kleinsteuerungen erfolgreich
- Die Siemens LOGO! 8-Serie verfügt über eine integrierte Ethernet-Schnittstelle; ältere Versionen benötigen spezielle Kommunikationsmodule (CMs).
- Die primären Kommunikationsprotokolle sind S7-Kommunikation für Siemens-Geräte und Modbus TCP für die Anbindung an Fremdgeräte.
- Die gesamte Netzwerkkonfiguration erfolgt intuitiv über die Software LOGO! Soft Comfort im Netzwerkprojekt-Modus.
- Der integrierte Webserver der LOGO! 8 ermöglicht die Überwachung und Steuerung über einen Standard-Webbrowser.
- Mit dem LOGO! CMR-Modul kann die LOGO! für IoT-Anwendungen wie Fernwartung und SMS-Alarmierung an Cloud-Dienste angebunden werden.
Die Vernetzung Ihrer Siemens LOGO! ist heute wichtiger denn je
Die Siemens LOGO! hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Von einer einfachen, isolierten Steuerung hat sie sich insbesondere mit der Einführung der LOGO! 8 zu einem vollwertig vernetzbaren System gemausert. Die integrierte Ethernet-Schnittstelle der LOGO! 8 war ein echter Game Changer. Sie hat die Möglichkeiten dieser Kleinsteuerung enorm erweitert und sie zu einem integralen Bestandteil moderner Automatisierungslösungen gemacht, die weit über Einzelanwendungen hinausgehen.
- Dezentrale Steuerung: Mehrere LOGO!s können zusammenarbeiten, um komplexe Aufgaben zu verteilen und zu koordinieren.
- Effizienter Datenaustausch: Prozessdaten lassen sich einfach zwischen Steuerungen, HMI-Panels oder übergeordneten SPSen austauschen.
- Verbesserte Visualisierung: Über HMI-Panels oder den integrierten Webserver lassen sich Anlagenzustände übersichtlich darstellen und bedienen.
- Anbindung an übergeordnete Systeme: Die Integration in SCADA-Systeme oder Cloud-Dienste für Fernwartung und Datenanalyse wird möglich.
Es ist wichtig zu verstehen, welche LOGO!-Versionen netzwerkfähig sind. Während die LOGO! 8 standardmäßig über eine Ethernet-Schnittstelle verfügt und somit direkt ins Netzwerk eingebunden werden kann, benötigen ältere Versionen wie die LOGO! 0BA7 oder früher spezielle Kommunikationsmodule (CMs), um eine Netzwerkverbindung herzustellen. Dies ist ein entscheidender Unterschied, den man bei der Planung berücksichtigen muss.

Das Fundament legen: Erste Schritte zur erfolgreichen Netzwerkverbindung
Um Ihre LOGO! erfolgreich zu vernetzen, benötigen Sie neben der Steuerung selbst einige grundlegende Hardware-Komponenten:
- Ein oder mehrere LOGO! 8 Grundgeräte (oder ältere Versionen mit CMs).
- Standard-Ethernet-Kabel (Patchkabel).
- Einen Netzwerk-Switch oder Router, wenn Sie mehrere Geräte verbinden oder ins Internet gehen möchten.
- Einen PC mit der aktuellen Version der Software LOGO! Soft Comfort (mindestens V8.4 für LOGO! 8).
Die korrekte IP-Adressvergabe ist das A und O jeder Netzwerkverbindung. IP-Konflikte sind eine der häufigsten Fehlerquellen und können die gesamte Kommunikation lahmlegen. Jedes Gerät im Netzwerk benötigt eine eindeutige IP-Adresse. Ich empfehle stets die Verwendung statischer IP-Adressen für LOGO!-Steuerungen, um eine konsistente Erreichbarkeit zu gewährleisten. Die grundlegenden Schritte zur Zuweisung einer statischen IP-Adresse in der LOGO! umfassen:
- LOGO! im STOP-Modus.
- Über das Gerätedisplay oder LOGO! Soft Comfort die Netzwerkeinstellungen aufrufen.
- Eine freie, statische IP-Adresse, Subnetzmaske und optional einen Gateway eintragen.
Sobald die Hardware verbunden und die IP-Adressen vergeben sind, geht es an die Konfiguration in LOGO! Soft Comfort. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Ersteinrichtung:
- Öffnen Sie LOGO! Soft Comfort und wählen Sie „Datei“ -> „Neu“ -> „Netzwerkprojekt“.
- Ziehen Sie Ihre LOGO! -Geräte aus dem Hardware-Katalog in den Netzwerkplan.
- Weisen Sie jedem Gerät im Netzwerkplan die zuvor vergebene IP-Adresse zu.
- Verbinden Sie die Geräte grafisch per Drag & Drop, um die Kommunikationswege zu definieren.
- Konfigurieren Sie die gewünschten Kommunikationsverbindungen (z. B. S7-Verbindung, Modbus TCP) zwischen den Geräten.
- Laden Sie das gesamte Netzwerkprojekt auf die LOGO! -Geräte herunter.
Protokolle im Detail: S7-Kommunikation und Modbus TCP
Die S7-Kommunikation ist der einfachste und direkteste Weg, um zwei oder mehr LOGO!-Geräte miteinander zu verbinden. Dieses Siemens-spezifische Protokoll ist perfekt darauf ausgelegt, Datenpunkte wie Merker, Ein- und Ausgänge oder Datenbausteine zwischen LOGO!s auszutauschen. Die Konfiguration ist in LOGO! Soft Comfort sehr intuitiv, da die Software die Kompatibilität der Geräte optimal unterstützt. Ich nutze diese Verbindung gerne, wenn ich beispielsweise mehrere LOGO!s in einer größeren Anlage dezentral steuern möchte.
Darüber hinaus kann die LOGO! über S7-Kommunikation auch mit einer übergeordneten Siemens Simatic S7-SPS (z. B. S7-1200 oder S7-1500) oder HMI-Panels kommunizieren. Dies ermöglicht einen nahtlosen Datenaustausch und die Steuerung komplexerer Prozesse über eine zentrale Einheit. Die LOGO! kann hierbei als intelligenter Sub-Controller fungieren, der Vorverarbeitungen übernimmt und nur relevante Daten an die Haupt-SPS sendet.
Wenn es darum geht, Geräte anderer Hersteller in ein LOGO!-Netzwerk zu integrieren, ist Modbus TCP die erste Wahl. Als offener Standard bietet Modbus TCP eine enorme Flexibilität. Es ermöglicht der LOGO!, mit einer Vielzahl von Geräten wie Frequenzumrichtern, Sensoren, Aktoren oder anderen Steuerungen zu kommunizieren, die dieses Protokoll unterstützen. Ob die LOGO! dabei als Modbus-Client oder -Server agiert, hängt von der jeweiligen Anwendung ab.
Für die S7-Kommunikation sind TSAP-Parameter (Transport Service Access Point) von entscheidender Bedeutung. Sie identifizieren die Kommunikationspartner eindeutig innerhalb des Netzwerks. Eine falsche TSAP-Konfiguration ist eine häufige Fehlerquelle, die zu Verbindungsproblemen führen kann. In LOGO! Soft Comfort werden die TSAP-Werte automatisch vorgeschlagen, aber es ist wichtig, sie zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, besonders wenn Sie mit mehreren Geräten arbeiten. Hier ein paar gängige Beispiele:
| Gerätetyp | TSAP-Wert (Beispiel) | Beschreibung |
|---|---|---|
| LOGO! 8 (Server) | 02.00 | Standard-TSAP für LOGO! als Server |
| LOGO! 8 (Client) | 01.00 | Standard-TSAP für LOGO! als Client |
| S7-1200/1500 | 03.01 | Typischer TSAP für eine S7-SPS |

Visualisierung und Fernzugriff: Der integrierte Webserver
Ein herausragendes Merkmal der LOGO! 8 ist ihr integrierter Webserver. Dieser ermöglicht die Überwachung und sogar die Steuerung der LOGO! über einen Standard-Webbrowser ganz ohne zusätzliche HMI-Hardware oder -Software. Das ist unglaublich praktisch für die schnelle Kontrolle oder Anpassung von Parametern. Die Aktivierung des Webservers ist denkbar einfach:
- Öffnen Sie Ihr LOGO! -Projekt in LOGO! Soft Comfort.
- Gehen Sie in den Netzwerkeinstellungen der LOGO! auf den Reiter „Webserver“.
- Aktivieren Sie den Webserver und vergeben Sie optional ein sicheres Passwort.
- Laden Sie das Projekt auf die LOGO! herunter.
Was ich besonders schätze, ist die Möglichkeit, in LOGO! Soft Comfort eigene Visualisierungen und benutzerdefinierte Webseiten zu erstellen. Sie können hier Schalter, Anzeigen, Textfelder und Diagramme platzieren, um spezifische Prozesswerte übersichtlich darzustellen oder bestimmte Funktionen per Mausklick zu bedienen. Dies erlaubt eine maßgeschneiderte Benutzeroberfläche, die genau auf die Bedürfnisse Ihrer Anwendung zugeschnitten ist.
Der Fernzugriff auf die LOGO! über den Webserver eröffnet neue Möglichkeiten für die Anlagenüberwachung und -wartung. Doch mit dieser Bequemlichkeit gehen auch Sicherheitsaspekte einher. Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, sichere Passwörter für den Webserver zu verwenden und das Steuerungsnetzwerk vom Büronetzwerk zu trennen, idealerweise durch Firewalls oder VLANs. Eine ungesicherte LOGO! im Internet ist ein unnötiges Risiko.
Typische Anwendungsbeispiele aus der Praxis
In der Gebäudeautomation ist die Vernetzung von LOGO! -Modulen ein echter Gewinn. Stellen Sie sich vor, Sie steuern zentral die Heizung, Beleuchtung, Jalousien oder die Lüftung in verschiedenen Räumen oder Gebäudebereichen. Eine LOGO! könnte als Master fungieren, die Wetterdaten empfängt und Befehle an andere LOGO!s sendet, die dann die jeweiligen Aktoren vor Ort ansteuern. Das spart Verkabelungsaufwand und erhöht die Flexibilität.
Auch in der dezentralen Maschinensteuerung spielen vernetzte LOGO!s ihre Stärken aus. Wenn eine Maschine aus mehreren Modulen besteht, die jeweils eine eigene LOGO! zur Steuerung haben, können diese über das Netzwerk miteinander kommunizieren. So können beispielsweise Statusinformationen ausgetauscht oder Start-/Stopp-Befehle koordiniert werden, um komplexe Bewegungsabläufe oder Fertigungsschritte zu synchronisieren.
Ein weiteres praktisches Beispiel ist die Erfassung von Messwerten. LOGO!s können Temperatur-, Druck- oder Füllstandssensoren auslesen und diese Daten über das Netzwerk an eine zentrale LOGO! oder einen PC senden. Dort können die Werte dann visualisiert, protokolliert oder für weitere Analysen gespeichert werden. Das ist eine kostengünstige und effektive Lösung für einfaches Monitoring in vielen industriellen und gewerblichen Anwendungen.
Die häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeiden
Einer der häufigsten Stolpersteine, auf die ich in meiner Laufbahn gestoßen bin, sind IP-Konflikte. Wenn zwei Geräte im selben Netzwerk dieselbe IP-Adresse haben, kommt es unweigerlich zu Kommunikationsproblemen. Die Diagnose ist oft einfach: Ein Ping-Befehl von Ihrem PC an die LOGO! kann Aufschluss geben. Wenn der Ping fehlschlägt oder auf ein anderes Gerät antwortet, haben Sie ein Problem. Hier sind ein paar Tipps:
- Verwenden Sie immer statische IP-Adressen und führen Sie eine Dokumentation Ihrer vergebenen Adressen.
- Nutzen Sie einen Netzwerk-Scanner (z. B. Advanced IP Scanner), um alle aktiven IP-Adressen im Subnetz zu identifizieren.
- Trennen Sie die LOGO! vom Netzwerk und pingen Sie die vermeintliche Adresse. Wenn immer noch eine Antwort kommt, ist ein anderes Gerät der Übeltäter.
- Setzen Sie die LOGO! auf Werkseinstellungen zurück und konfigurieren Sie die IP-Adresse neu, wenn Sie unsicher sind.
Bei fehlgeschlagenen S7- oder Modbus-Verbindungen kann die Fehlersuche frustrierend sein. Ich habe mir angewöhnt, eine systematische Checkliste abzuarbeiten:
- Verkabelung prüfen: Sind alle Ethernet-Kabel korrekt angeschlossen und intakt? Leuchten die Link-LEDs an der LOGO! und am Switch?
- IP-Adressen und Subnetzmasken: Sind alle IP-Adressen eindeutig und im selben Subnetz? Stimmen die Subnetzmasken überein?
- Protokolleinstellungen: Sind die S7- oder Modbus-Parameter (z. B. TSAP-Werte, Modbus-Adressen, Client/Server-Rollen) in LOGO! Soft Comfort korrekt konfiguriert?
- Gerätestatus: Befinden sich alle LOGO!s im RUN-Modus? Ist die Netzwerkkommunikation in den Geräteeigenschaften aktiviert?
- Firewall: Blockiert eine Firewall auf dem PC oder im Netzwerk die Kommunikation?
- Firmware: Ist die Firmware der LOGO! auf dem neuesten Stand?
Firewalls sind ein zweischneidiges Schwert: Sie schützen Ihr Netzwerk, können aber die LOGO!-Kommunikation blockieren, wenn die notwendigen Ports nicht geöffnet sind. Es ist wichtig, die relevanten Ports in Ihrer Firewall freizugeben. Hier eine kleine Übersicht der wichtigsten Ports:
| Protokoll | Port | Beschreibung |
|---|---|---|
| S7-Kommunikation | 102 (TCP) | Für Programmierung und S7-Verbindungen |
| Modbus TCP | 502 (TCP) | Standard-Port für Modbus TCP |
| Webserver | 80 (TCP) | Standard-HTTP-Port für den LOGO! Webserver |

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Ihre LOGO! fit für das Internet der Dinge (IoT) machen
Die LOGO! ist nicht nur für lokale Netzwerke geeignet, sondern kann mit den richtigen Modulen auch ins Internet der Dinge (IoT) integriert werden. Das LOGO! CMR2020 (für 2G/3G) oder CMR2040 (für 4G/LTE) Kommunikationsmodul ist hierfür der Schlüssel. Es erweitert die LOGO! um Mobilfunkkonnektivität und GPS-Funktionen. Damit kann die LOGO! mit dem Internet kommunizieren, Daten an Cloud-Dienste senden oder aus der Ferne gesteuert werden ideal für dezentrale Anlagen ohne feste Internetverbindung.
Ein besonders nützliches Feature des CMR-Moduls ist die Alarmierung per SMS. Bei Störungen, Grenzwertüberschreitungen oder anderen wichtigen Ereignissen kann die LOGO! automatisch eine SMS an vordefinierte Telefonnummern senden. Das ermöglicht eine schnelle Reaktion und minimiert Ausfallzeiten, selbst wenn niemand vor Ort ist. Ich habe diese Funktion schon oft in Pumpstationen oder abgelegenen Messstationen eingesetzt, um frühzeitig über Probleme informiert zu werden.
Der Ausblick auf die Anbindung der LOGO! an Cloud-Systeme ist vielversprechend. Mit dem CMR-Modul und entsprechenden Cloud-Diensten (z. B. MindSphere) kann die LOGO! Daten für Fernwartung, detailliertes Monitoring und umfassende Datenanalyse bereitstellen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für vorausschauende Wartung, Energieoptimierung und die Schaffung intelligenter, vernetzter Kleinanwendungen im Kontext des IoT. Die LOGO! beweist damit eindrucksvoll, dass auch Kleinsteuerungen in der digitalen Welt eine große Rolle spielen können.
